LIVE REVIEW

Gänsehaut im Gotteshaus

Hessische Allgemeine Zeitung
July 18th 2005

Irischer A-capella-Chor Anüna begeistert 350 Zuhörer in der Klosterkirche Lippoldsberg
Ein Meer der Töne


LIPPOLDSBERG. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne erfüllten die Klosterkirche in Lippoldsberg gerade mit stimmungsvollem Licht, da erklangen aus dem Säulengang des Sauwerks sieben fast schon mystische Männerstimmen. Wenig später setzten die Sängerinnen ein. Das Anschwellen und Abklingen der Töne erzeugte Gänsehaut-Atmosphäre. Es war, als wenn Engel aus himmlischen Sphären hinabgestiegen wären, um ihre Botschaft zu verkünden.Die 14 Stimmen waren aber ganz irdischer Natur. Sie gehörten dem irischen A-capella-Chor Anüna, der im Rahmen des Kultursommers Nordhessen ein Konzert in der romanischen Klosterkirche gab. Andächtig und gebannt, saßen 350 Zuhörer in den Reihen und lauschten gut eineinhalb Stunden Musik vom i Feinsten.

Unterbrochen wurde das Konzert von einer 20 minütigen Pause, in der man , sich vor der Kirche mit Weinen und anderen kühlen Getränken erfrischen konnte. Stimmgewaltig, dabei aber keineswegs aufdringlich, sondern mit einfühlsamen Elan, i präsentierte sich Anüna. Bestechend war die Klarheit der Stimmen und das harmonische Miteinander der Töne.

Die Zuhörer konnten die Schwingungen förmlich spüren und ganz in sich aufnehmen. Am Ende eines jeden Liedes gab es kräftigen Applaus. Ein Indiz dafür, wie begeistert das Publikum die Musik der Iren annahm.Überzeugen konnten die verschiedenen Solisten mit ihren Einlagen. Es war, als würden ihre Stimmen auf einem mal mehr mal weniger wogenden Meer der Töne des Chors schwimmen. Egal ob die Akteure im Säulengang, in den Seitenschiffen, im Mittelgang oder auf der Bühne vor dem Altar sangen, stets war der gesamte Raum von einem fast körperlich fassbaren Klang erfüllt.

Die Lieder, die Anüna zu Gehör brachte, sind überwiegend von Chorleiter Michael McGlynn eigens für die sieben Sängerinnen und sieben Sänger komponiert und arrangiert worden. Als Grundlage dienten dem Komponisten mittelalterliche Texte und traditionelle irische Weisen. Die Kompositionen folgen aber eher der Tradition der englischen Kirchenmusiker desausgehenden 19. Jahrhunderts.

Richtig verzaubert waren die Zuschauer nach dem Auftritt. Mit minutenlangen, stehenden Ovationen forderten sie Zugaben und bekamen sieauch. „Schon die Eröffnung, als wenn die Himmelstüren aufgingen", beschrieb der 95jährige Lippoldsberger Dr. Hans-Werner Andrä seine Begeisterung, „schön, wer solche Stimmen hat." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. (ZNO)


Thrilled in the chapel

A sea of sounds

LIPPOLDSBERG The last rays of the setting sun were illuminating the monastery church at Lippoldsberg when seven almost mystic male voices sounded from the colonnade of the building. Then the female voices joined in. The rising and abating of sounds created a haunting atmosphere. It was as though angels from heavenly realms had come down to bring forward their tidings. Yet the fourteen voices were of quite earthly origin. They belonged to the Irish a-cappella group Anúna, performing in the Romanesque monastery church as part of the "Kultursommer Nordhessen".

Rapt and riveted, an audience of 350 listened to one and a half hour of music as fine as any in the world. There was an interval of twenty minutes to refresh yourself outside the church with wine and cool soft drinks.Anúna presented powerful yet unobtrusive voices with a (kind of) "sensitive zest". The purity of the voices and the harmonic unity of sound was captivating. The audience could literally feel the vibrations and absorb them. Each song was greeted with heavy applause at the end – an indication of the enthusiasm with which the audience received the music of the Irish singers.

Quite impressive were the solos, sung by various members of the choir. It felt like their voices were floating on a sometimes rougher sometimes softer sea of sounds created by the choir. Whether the performers sang from the colonnade, the side aisles, the nave or from the stage in front of the altar, the whole interior of the church was always filled with a physical almost tangible sound The songs Anúna performed have for the most part been composed and arranged for the seven men and seven women in the choir particularly. They are based on medieval lyrics and traditional Irish melodies. Yet the compositions rather go along with the tradition of British composers of sacred music that arose towards the end of the nineteenth century

Thoroughly enchanted – this is how the listeners felt at the end of the performance. With standing ovations lasting for minutes the audience asked for an encore and got it.. "Even in the very beginning… it was as though the gates of heaven were being opened", 95-year old Dr. Hans Werner Andrä described his own rapture. "It's a wonderful thing to have such voices." And there is no need to say more. (ZNO).

[trans Sabine Schöll]